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Das wilde Herz der Ehe

John & Stacy Eldridge, Gerth Medien, ISBN 978-3-86591-557-3, Seite 205f

Ein Kapitel über Sex

Trinkt und werdet trunken von Liebe! Hohelied 5,1

Als wir die grobe Struktur dieses Buches entwickelten, war uns klar, dass wir auch ein Kapitel über all die Fragen schreiben wollten, die mit Sex zu tun haben. Doch jetzt, wo wir an diesem Punkt angekommen sind, kommen uns Bedenken: Herr, wir wollen ein Kapitel über Sex schreiben. Was in aller Welt sollen wir sagen? Welche Geschichten sollen wir erzählen?

So beschlossen wir, das Kapitel auf drei Aussagen zu begrenzen:

Sie brauchen Sex – und zwar oft. In einer Weise, die Ihnen beiden Freude bereitet – immense Freude. Wenn das nicht der Fall ist, müssen Sie der Frage nachgehen, warum es nicht so ist. Eben weil Sie Sex brauchen – und zwar oft. In einer Weise, die Ihnen beiden Freude bereitet – immense Freude.

Das ist ein wenig scherzhaft gemeint. Aber warum haben wir dieses Bedürfnis, lustig zu sein? Warum macht uns alle dieses Wort allein so nervös? Was macht Sex zu einem Thema, bei dem wir uns so unbehaglich fühlen? Warum ist es eine dieser klassischen „Sperrzone“ – selbst unter Ehepaaren, die schon jahrelang verheiratet sind? (Reden Sie beide über Ihr Sexleben? Können Sie Entspannt darüber sprechen?) Hat das nicht vielleicht damit zu tun, dass dieses Thema die Frage berührt, wer wir sind und wie es uns als Mann oder Frau geht? Hat es nicht damit zu tun, dass die Nacktheit beim Sex weit mehr betrifft als nur die körperliche Ebene?

Im ersten Buch Mose heisst es: „Die beiden (Adam und Eva) waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander“ (1. Mose 2,25). Das haut mich um! Hier wird eine tiefe Selbstvergessenheit beschrieben, eine totale Freiheit im Umgang mit dem eigenen Körper und mit dem Körper des anderen, eine beneidenswerte Freiheit im Umgang mit der eigenen Sexualität und mit der eigenen Person. Was wäre, wenn wir dahin zurückkehren könnten?!

Neulich hörte ich zufällig das Gespräch zwischen zwei Ehepaaren mit – beides Paare, deren Nest inzwischen leer ist. Sie sprachen darüber, wie es ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind:
„Es ist toll. Wir haben viel mehr Zeit, um  in der Bibel zu lesen“, meinte eines der Paare.
In der Bibel lesen?! Seid ihr von Sinnen?
„Wir haben endlich die Möglichkeit, nackt im Haus herumzulaufen und miteinander zu schlafen, wann immer uns danach ist!“, antwortete das andere Paar.

Eines dieser beiden Paare ist dem Paradies viel näher als das andere. Und das ist nicht das Ehepaar mit der Konkordanz auf dem Nachttisch!

Menschen, die sich nicht so gut in der Bibel auskennen, sind in der Regel überrascht, wie häufig darin von Sex die Rede ist, und das mit, sagen wir mal, viel Enthusiasmus. Die strengen Gebote sind nur die eine Seite des Gesamtbildes. Und sie werden auch nicht mit dieser Haltung ausgesprochen: „Am besten wäre es, wenn ihr euch von dem ganzen Kram fernhaltet!“, sondern eher als eine Art abschließende Lagebesprechung, bevor die neuen Rekruten sich mit ihrem Fallschirm aus dem Flugzeug stürzen. Die Gebote dienen alle unserem Schutz. Sie entspringen der Überzeugung, dass Sex etwas Wildes und Kraftvolles ist und dass der Sturz aus dem Flugzeug herrlich und gefährlich ist.